Spielerisch Disziplin lernen: Kinder Karate

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so Lüneburg. Heinrich Reimer steht vor seiner Karate-Anfängergruppe, etwa 20 Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis acht Jahren, und erklärt eine Übung. Plötzlich klingelt ein Handy auf der Bank, wo einige Eltern sitzen. Reimer geht lächelnd, aber bestimmt zu der Mutter und sagt: "Handys sind bei uns verboten. Normalerweise müssten Sie jetzt 100 Liegestütze machen." Eine nette Randbegebenheit, aber sie zeigt deutlich, worauf es Reimer, Lüneburgs "Mr. Karate", ankommt: Disziplin. "Ich versuche, die Kinder spielerisch Disziplin zu lehren", sagt Reimer und ergänzt: "Das finden auch die Eltern gut."

 

Der 65-Jährige leitet die Abteilung Osaka Karate im VfL Lüneburg. Und die freut sich über einen echtem Boom im Nachwuchsbereich. Osaka hat etwa 180 Mitglieder, davon mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Reimer, Inhaber des 7. Dan, betreibt seit Jahrzehnten Nachwuchsförderung. Doch für ihn ist jedes Training aufs Neue wichtig. Er will den Kindern nicht nur ein Trainer sein, sondern auch ein Ansprechpartner, "damit ich vielleicht ein klein bisschen dazu beitragen kann, dass sie sich in unserer Welt etwas besser zurechtfinden."

 

Diejenigen Kinder, die zum Karate kämen, seien nicht immer die sportlich begabtesten, so Reimer: "Wer vorher schon Fußball gespielt hat, kommt nicht mehr zu uns." Aber darauf kommt es gar nicht an. Reimer: "Es geht um eine andere Tugend, die der Ausdauer." Das ist nicht im körperlichen Sinne gemeint. Es geht darum, die Anfangsphase dieser Sportart mitzumachen und nicht abzubrechen. Denn bei den jungen Karateka geht es nicht gleich zur Sache. Aufmerksamkeits- und Reaktionsübungen, Spiele und viel Spaß prägen das Training. Karate spielerisch lernen - darauf kommt es Reimer an. "Yoi" (japanisch für Achtung) ruft er bei einer Übung, wenn er einen Schlag andeutet und von seinem Schützling eine Abwehrreaktion erwartet. Gibt er dieses Kommando nicht, darf keine Abwehrreaktion erfolgen. Vertrauen soll diese Übung aufbauen, Konzentration und Aufmerksamkeit schärfen.

 

Disziplin und Spaß an der Bewegung müssen keine Gegensätze sein. Das jedenfalls zeigt das Training im Osaka-Dojo. Die Kinder achten genau auf die Ansagen ihres Trainers Heinrich Reimer ("immer zu mir gucken, sonst beiß ich euch in den Hintern"), der von Jun-Patrick Raabe unterstützt wird. "Beim Karate könnt ihr kämpfen und Titel gewinnen", erklärt er seinen Schützlingen, "ihr könnt aber auch im Kata, im Scheinkampf, antreten und Titel holen. Wer von euch will denn später einmal kämpfen?" Zunächst herrscht Schweigen, dann traut sich einer ein bisschen aus der Deckung: "Ich weiß noch nicht so genau." Ein herzliches Lachen erfüllt das Dojo. Disziplin und Spaß müssen sich nicht ausschließen.

 

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